Hallo Reisende/r:)!

Ich empfinde Reisen ein bisschen wie Tauchen. Ich meine insofern, dass, nach dem Sprung ins kühle Nass, ich mir der Andersartigkeit meiner Umgebung sehr bewusst bin. Beim Tauchen spüre ich bei jeder Bewegung, die ich mache, einen sanften, wohligen Widerstand. Deswegen ist das Reisen für mich auch immer ein Eintauchen… in eine andere Kultur, oder  ähnlich. Mit offenen Augen durch eine fremde Stadt oder Landschaft zu laufen – dabei fühle ich mich oft eben so: wie mit langsamen, staunenden Bewegungen.

In diesem Sinne habe ich diese kleine Internetlektüre getauft, denn bei meinem sechsmonatigen Aufenthalt im Südwesten Englands (von November 12 bis Mai 13) hat mich das englische Hügelland – ein von Schafen bevölkertes Grasmeer – tief beeindruckt. Und vieles sonst ward lieb gewonnen… der Cider, die vielen Baudenkmäler und vor allem die Begegnungen mit Menschen, Tieren und Natur.

Nun, wer gern ein wenig mit tauchen mag, der kann das tun. Beim Weiterlesen findet ihr einige Reisenotizen mit einigen Bildern. Wer gern die umfassende Bildauswahl anschauen möchte, kommt hier zur Fotogalerie.

Ich freue mich, wenn ihr auf etwas Ansprechendes stoßt!

Ein herzlicher Gruß, Rasmus

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01.02.13 – Hüter der Erde – Die großen Geschwister

Ich spüre ein Samenkorn in mir, einfach und schön, das gilt es zu behüten. Denn dieses Samenkorn hat ein Recht auf Reinheit, das Recht von allem unbeeindruckt, seiner eigenen Bestimmung entgegen zu wachsen. Jeder Mensch trägt diesen Samen und jeder mag ihn pflegen. Für mich ist er das hinab gegebene Geschenk, mit jedem Menschen auf die Erde gestellt, vielleicht sogar in die Erde gebettet, denn dort fühle ich ihn – im Erdreich, in mir. Und ich fühle ihn erst dann lebendig sein, wenn ich selbst meine Gemeinschaft mit der Erde erlebe und als Beziehung pflege – dann wird in mir die Freude dieser Bestimmung wach, die ich als diesen Samen in mir trage. Zu dieser Freude gehören auch der Himmel und die Sonne, denen diese Bestimmung wie eine Pflanze entgegen wächst, die in mir dieser Pflanze den Weg leuchten. Das Sonnenlicht selbst wird zu dieser Pflanze, zusammen mit dem, was ihm aus dem Erdreich entgegenkommt.

Bestimmung hat die Einfachheit einer Pflanze. Es gehört für mich nichts Kompliziertes dazu, diese Bestimmung zu entdecken und zu erleben. Es ist die Einfachheit einer Pflanze: eine vertrauende Beziehung mit der Erde einzugehen und der Sonne Verehrung entgegen zu bringen. Sie beide in mir fließen zu fühlen. Vielleicht ist es dann, dass ein Mensch dem Schöpferischen in die Augen blickt, in den Momenten der Entfaltung, in denen er ‚ja‘ sagt zu seiner Bestimmung, dem Kind in sich, dem Samen im Erdboden und erlaubt, dass ein Lichtstrahl diesen Samen berührt; eine Erlaubnis, die die Pflanzen stetig geben und so, weil sie im Fluss ihrer Bestimmung wachsen, für mich die großen Geschwister der Menschen sind.

Frühjahr im Forest of Dean

Frühjahr im Forest of Dean

15.03.13 – Mitten im März

Es ist mitten im März. Grüne, regennasse Weiden – eine wogende Hügellandschaft wie ein im Sturm zu Grasland gewordenes Meer. Winterklare Nächte und Tage wechseln sich mit anderen, an denen die Landschaft von Nebel eingehüllt ist. Und dann: erste, köstliche Tage mit Frühlingssonne und -wärme. Die Schneeglöckchen sind schon einige Wochen alt und zu den weißen Blüten, mischen sich an den Wegrändern nun gelbe hinzu. Und von den Schafsweiden, von denen bisher das markige Blöken der Schafe zu hören war, klingt nun das energische Meckern der neugeborenen Lämmer herüber, die, wie jedes Jahr, von den ersten Anzeichen des Frühlingserwachens an, auf die Welt kommen.

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20.04.13 – Heut‘ saß ich am Meer

Heut‘ saß ich am Meer, an einem Strand
Aus Steinen und dachte daran,
Was das Meer uns über uns erzählen kann.
Es kennt uns schließlich schon sehr lang,
Von Kindheit an und manche sagen wohlbedacht,
das Meer hätt‘ uns hervorgebracht;
Wär eine Mutter uns gewesen,
Dergleichen habe ich gelesen.
Und ich dachte, ob (weils lange hier schon weilt)
Es sein Wissen mit uns teilt.
Um dem Meer also zu lauschen,
(Und damit mein ich nicht nur das Rauschen)
Saß ich eine kleine Weile
Mit geschlossenen Augen, ohne Eile.

Eintauchen ins Meer

Das Geheimnis dieses Ortes,
Tief, gen Ursprung jeden Wortes,
Wo alles Traute plötzlich schweigt,
Verlangsamt in die Stille sich verneigt,
Lauscht das Herz mit Andacht und
Weiß um die Würde dieser Stund‘,
Wenn’s schwebt, sich hebt in Meerestönen,
Wird’s mit der Schwernis sich versöhnen.
Dies klang aus seiner Sicht,
Wenn’s Muttermeer zu Herzen spricht.

Die Küste Dorsets bei Bridport

„Jurassic Coast“, Dorset bei Bridport

22.04.13 – Hügelland

Viele Stunden bin ich gewandert, durch eure Täler, eure Höhen. Fand euch leuchtend grün im Sonnenlicht und grau verhangen im Nebelkleid und  mich von euch verzaubert. Als hättet ihr mich, als ich euch durchwanderte, auf eine noch andere, noch weitere Reise mit- und an die Hand genommen. Ihr seid beredt. Zwar höre ich eure Sprache nicht, doch spüre die Heiterkeit, wenn ich euch im Sonnenlicht vorfinde und die Andacht, wenn eure Kuppen und Täler mit Nebeln behangen sind. Dann weiß ich um die Geschichten, die ihr erzählt, um jenen Klang, der dieses Land beseelt. Auf euch zu wandern, lässt mich fühlen, als ginge ich über ein Meer spazieren – durch Wellenberge und -täler. Und tatsächlich, es würde mich nicht wundern, wenn die Menschen, die hier leben, von einer alten Geschichte erzählten, die besagt, dieses Land sei einmal ein Meer gewesen, das im Sturme zur Landschaft erstarrt sei.
In der Tat: Wenn das flache Land das Schweigen ist, dann seid ihr das munter fließende Gespräch, dem ich nicht satt werde zu lauschen… das auch meine Geschichte erzählt.

Hügel in Devon

02.05.13 – Zuhause sein

Zuhause sein in Häusern, Geschichten, Büchern?
In Begegnungen, auf Straßen, in Ideen?
Das Alles geht mit der Zeit,
An all dem fand ich keinen Halt.
Aus den Häusern zog ich aus, sie verloren ihre heimatliche Wärme.
Geschichten und Bücher waren nur Fingerzeige,
Sie entfachten ein Feuer, das letztlich doch in mir brannte.
In Begegnungen konnte ich fühlen, welche Heimat ich schon in mir gefunden hatte.
Doch sobald ich die Begegnung als Heimat behausen wollte, verlor sie ihren Stand.
Die Straßen sind gut, um die Heimat in die ferne hinaus zu tragen, zu erleben.
Aber sie selbst sind wie ein Fluss – sie lassen sich von mir nicht bewohnen.
Am Ende bleibt das Gefühl, ich muss wohl selbst die Heimat sein,
Aus der mich nur meine Gedanken fortgeführt haben,
Auf eine Reise, heraus aus mir,
Von der ich nun, Schritt für Schritt, heimkehre.
Dorthin, von wo ich nie fort war.
Dennoch, die Wiedersehensfreude ist so groß wie dieser Widerspruch.

Im 'Forest of Dean'

Im ‚Forest of Dean‘

03.05.13 – Was ich am Jonglieren Mag

Was ich am Jonglieren-lernen so mag, ist, dass, sobald ich eine neue Art lerne, die Bälle zu werfen, mein Kopf und meine Hände mit ihm, sich zu Beginn völlig überfordert fühlen. Die gewohnten Bahnen werden verlassen. Und dann übernimmt mein Gefühl und meine Vorstellungskraft die Führung. Meine alten, gewohnten Wurfmuster und -formen öffnen sich (manchmal zäh und zögerlich wie es bei Gewohnheiten so sein kann) und das ist ein aufregender Moment, wenn die Hände beginnen, sich mit einer neuen Art des Bällewerfens anzufreunden, wenn es – dann, nach einer Weile – gelingt und auch der Kopf den neuen Rhythmus geschehen lässt, dann habe ich das Gefühl, spielerisch, im Kleinen, ein neues Ufer entdeckt zu haben.

Sunset

Sunset in Dorset

07.05.13 – Die Wellen branden

Die Wellen branden an den Steinstrand
Und jeder Wellengang klingt wie ein Atemzug.
Die Steine schweigen und tauchen doch,
Gerade in diesem Ruhen und Schweigen,
In ihre Umgebung ein.
Auch mich hat ihre Ruhe ergriffen,
Eher noch umhüllt.
Sie ist etwas, in das ich mich hineinlehnen kann.
Dazu der Rhythmus der Wellen,
Beinah wie ein Schaukelstuhl,
Steine und Meer – Anlehnen und Wiegen.
Wieder hat das Meer etwas freigelegt in mir,
An diesem Maiabend, windig und mild.
Und die Steine waren wieder eine freundliche Gesellschaft.

Steinstrand bei Bridport, Dorset

Steinstrand bei Bridport, Dorset